Familie Siebert in Äthiopien

Hinten von links: Kati, Ralph. Leon, vorne von links: Jael, Noam

Seit April 1993 leben Ralph und Kati Siebert mit ihren drei Kindern in Äthiopien. Sie gehören zum Missionswerk Wycliff (www.wycliff.de) und wurden von der Matthäusgemeinde in Münster und der Erlöserkirche in Hamburg nach Äthiopien ausgesandt. Dort arbeiten sie mit der Wycliff-Partnerorganisation „SIL Äthiopien“. Ihre Kinder Leon (geb. 1994), Noam (geb. 1996) und  Jael (geb. 2000) besuchen die Internationale Schule Bingham Academy www.binghamacademy.net

Ralph und Kati haben einige Jahre unter der Leitung der äthiopischen protestantischen Kirche „Mekane Yesus“ ein Übersetzungsprojekt geleitet, bei dem Bücher aus dem Alten und dem Neuen Testament in eine Minderheitssprache übersetzt werden. Seit 2008 koordiniert ein äthiopischer Kollegen das Projekt und Kati hat für SIL Äthiopien die Rolle der Gebetskoordinatorin übernommen; Ralph leitet den Arbeitsbereich „Sprachprogramme“. In SIL arbeiten Sieberts in einem internationalen Team unter der Leitung des äthiopischen Direktors Alemayehu Hailu. Die Mitarbeiter kommen aus insgesamt 15 verschiedenen Ländern.

Die Linguistik Professorin Conny Kutsch Lojenga leitet einen Workshop zur Orthographie der Gumuz Sprache. links: Gumuz Sprecher, Mitte: Conny Kutsch Lojenga, rechts: Ralph

Ziele
Durch ihre Mitarbeit möchten Sieberts dazu beitragen, dass für jede Sprache Äthiopiens, die es benötigt, bis zum Jahr 2025 ein Bibelübersetzungsprojekt im Gange ist. Dieses große Ziel trägt den Namen Vision 2025 und wird auch vom Wycliff e.V. Deutschland unterstützt. In dieses Ziel mit eingebunden sind die Bereiche Sprachentwicklung, muttersprachlicher Schulunterricht für Kinder sowie Leseunterricht für erwachsene Analphabeten. Alle Ziele werden natürlich in Zusammenarbeit mit einheimischen Partnern verfolgt, die gleichzeitig darin geschult werden, diese Ziele zukünftig selber weiterzugestalten und zu verfolgen.

Fürbitte für unseren Direktor, Alemayehu, und seine Frau Tensae, bei seiner Einführung. Mitte: Alemayehu und Tensae (rechts: Kati)

Arbeitsbereiche
Bevor man anfangen kann, biblische Texte zu übersetzen oder Lesebücher herzustellen, müssen grundlegende Fragen beantwortet sein:

  • Welches Schriftsystem verwendet man? Z.B. das äthiopische oder das lateinische Schriftsystem? Gemeinsam mit den regionalen Bildungsbehörden und einer ganzen Reihe von entsandten Vertretern der verschiedenen Sprachgruppen müssen die Orthographie (das Schriftsystem) und das Alphabet (die Schriftzeichen) festgelegt werden. Auch die Grammatik der Sprache muss beschrieben werden. Wie ist die Sprache aufgebaut? Wo z.B. steht das Verb im Satz, usw?

  • Gibt es Sprecher einer Sprache, die ihre Muttersprache schon lesen können - falls diese schon in Ansätzen verschriftet ist? Fast immer ist das jedoch noch nicht der Fall. Dann müssen Fibeln erstellt, die Leute zu Leselernklassen eingeladen und Lehrer ausgebildet werden. Lesematerial mit verschiedenen Schwierigkeitsgraden ist ebenfalls nötig.

Die äthiopische Regierung hat bereits den muttersprachlichen Unterricht für eine Reihe  kleinerer Sprachen eingeführt und SIL gebeten ihr dabei zu helfen, das in einer guten und fundierten Art und Weise zu tun. Wichtiger Bestandteil ist dabei auch, ein Wörterbuch mit den gebräuchlichsten 2.000 - 3.000 Wörtern der Sprache zu erstellen, damit ein Nachschlagewerk für die richtige Schreibweise von Wörtern vorliegt.

Traditionelle Kaffeezeremonie

Partner
Alle diese Aufgaben geht SIL in enger Zusammenarbeit mit verschiedenen äthiopischen Partnern an: mit dem äthiopischen Kultusministerium, mit den protestantischen Kirchen und dem Zusammenschluss dieser Kirchen in der Fellowship of Evangelical Churches (Evangelische Allianz), mit der äthiopischen Bibelgesellschaft und mit der linguistischen Fakultät der Universität Addis Abeba.

Projekte
Zentrale Bedeutung für SIL haben zwei große, sogenannte „Cluster-Projekte“, d.h. regionale „Gruppenprojekte“, in denen die oben erwähnten Aufgaben gleichzeitig für mehrere Sprachen vorangetrieben werden (also Sprachanalyse, Verschriftung, Erstellen muttersprachlicher Literatur etc.). Neben diesen Cluster-Projekten gibt es etwa ein gutes Dutzend Übersetzungsprojekte die von SIL Mitarbeitern koordiniert werden. Reine Leselernprojekte gibt es zurzeit nur wenige.

Bei einem Gebetstag leitet Kati den Abendmahlsgottesdienst
Zusammen mit einer Kollegin führte Kati Einkehrtage für Frauen durch (vorne rechts: Kati)

Planung und Mitarbeiter
Ralphs wesentliche Aufgaben liegen in den Bereichen Planung und Mitarbeiterführung. Für Projekte müssen der Zeitrahmen, der Finanz- und Personalbedarf, die angestrebten Ergebnisse und die Schulung einheimischer Mitarbeiter geplant und die Durchführung begleitet werden.
 
Gebet und Mitarbeiterbetreuung
Katis Aufgabe als Gebetskoordinatorin ist es, vierteljährliche Gebetstage und andere regelmäßige Gebetstreffen zu organisieren und teilweise zu leiten. Außerdem hilft sie bei der Orientierung von neuen Mitarbeitern. Abgesehen davon, sie in das Leben und die Kultur in Äthiopien einzuführen, denkt man bei der Orientierung auch nach über Themen wie z. B.: Geistliches Leben, Ehe- und Familienleben in der neuen Umgebung.

Das Team in der Heimat
Seit 16 Jahren können Ralph und Kati Siebert diese Arbeit tun, weil sie Freunde und auch zwei Gemeinden (die Matthäusgemeinde in Münster und die Erlöserkirche in Hamburg) haben, die sie sowohl im Gebet als auch finanziell unterstützen. Ganz herzlich danken Sieberts allen, die sie treu begleitet haben und bis heute ermutigen und ihre Aufgabe mit tragen.

Addis Abeba, im April 2009

Auf äthiopischen Straßen - hier eine gute Landstraße, mit vielen "Verkehrsteilnehmern"
Das Stadtbild von Addis Abeba ist geprägt von den weiß-blau gestreiften Taxis.