Portrait Dr. Christine Schmotzer, Pakistan

Frau Dr. Christine Schmotzer wurde 1955 in Hersbruck/Deutschland geboren und trat 1976 den Christusträger-Schwestern bei. 1981 schloss sie ihr Medizinstudium in Heidelberg ab. Im Anschluss war sie bis 1987 als Stationsärztin und leitende Stationsärztin (u.a. in den Bereichen Gynäkologie/Geburtshilfe, allgemeine und orthopädische Chirurgie und Anästhesiologie) im Diakonie-Krankenhaus Schwäbisch Hall in Heidelberg tätig. Dort schloss sie mit dem Titel der Fachärztin in dem Bereich Gynäkologie/Geburtshilfe ab.

Doch es zog sie ins Ausland: 1988 absolvierte sie in Addis Ababa/Äthiopien eine Fortbildung im Bereich der Leprakontrolle und der wiederherstellenden Chirurgie für Leprapatienten. Seitdem arbeitet sie in Rawalpindi/Pakistan als Lepra-Ärztin für die Organisation „Aid to Leprosy Patients“ im Rawalpindi Leprosy Hospital und im Government Leprosy Hospital in Balakot. Seit 1989 ist sie zusätzlich Schulungsleiterin für die Gesundheitsämter der Provinz Punjab und der Hazara Division, wo sie Ärzte zum Thema Lepra unterrichtet.

1993 übernahm Dr. Chris Schmotzer die Leitung des Rawalpindi Leprakrankenhauses und wurde 1995 Medizinische Leiterin für „Aid to Leprosy Patients“, womit sie zusätzlich die Blindheitsprävention sowie das Tuberkulosekontrollprogramm verantwortet. Seitdem ist sie außerdem Mitglied der nationalen und provinziellen (Punjab und Nordwestliche Grenzprovinz) Ausschüsse für Lepra- und TB-Kontrolle sowie der Prävention von Blindheit. 1997 schloss sie zum letztgenannten Aufgabengebiet in London eine Zusatzausbildung ab.

Zu ihrer Arbeit in Rawalpindi gehören seit ihrer Ankunft 1988 ihre monatlichen Fahrten nach Balakot. Hier bietet sie schwerpunktmäßig Sprechstunden für Frauen mit gynäkologischen Problemen oder Lepra an. Die Nachfrage ist groß. Frauen reisen aus entlegenen Tälern und Bergen an und suchen Hilfe und Rat. Dr. Chris Schmotzer bildet auch lokale weibliche Hilfskräfte aus, die sie bei den Untersuchungen auf Lepra unterstützen.

Seit 1999 ist sie für die Weltgesundheitsorganisation (WHO) Hauptansprech-partnerin zum Thema Lepra in Pakistan.

1999 kam schließlich auch die Tuberkulose-Arbeit hinzu. In diesem Bereich kümmert sich Dr. Schmotzer um Tuberkulosepatienten, die durch das Raster des staatlichen TB-Programms fallen. So nimmt sie z.B. unterernährte und sehr arme Patienten, die zu Hause nicht versorgt werden, stationär auf. Auch Patienten mit extrapulmonaler, z.B. Wirbelsäulen-TB, finden bei ihr Hilfe. Sie erhalten Krankengymnastik und Rehabilitationsmaßnahmen, die das staatliche Gesundheitsprogramm nicht vorsieht.

Ein weiteres großes Thema ist in ihrer Klinik die Behandlung der multi-drug-resistenten (MDR) Tuberkulose. Hierfür gibt es bisher kein staatliches Programm. Im Gegenteil werden MDR-TB-Patienten sogar von den staatlichen Krankenhäusern zu Frau Dr. Schmotzer und ihren Kollegen geschickt. Für sie ist es ein besorgniserregendes und zukunftsweisendes Thema, da die Fälle von resistenter Tuberkulose zunehmen. Schon jetzt gibt es eine Patienten-Warteliste.

2000 schloss Dr. Chris Schmotzer eine Fortbildung im Tuberkulose-Kontroll-Management in Leeds/UK ab. In ihrer Klinik wurde dann das erste Handbuch für Infektionsmaßnahmen erstellt. Es geht darum, bei MDR-TB-Patienten, die häufig auch unter Nebenwirkungen wie beispielsweise Diabetes leiden oder psychisch angeschlagen sind, ein ganzheitliches Konzept anzuwenden. Es soll nicht nur die Tuberkulose behandelt werden, sondern dem ganzen Menschen geholfen werden. Da es in Pakistan kein qualitätsgeprüftes Labor für Sputumkulturen gibt, arbeitet Dr. Schmotzer für die Diagnose mit dem deutschen Zentrallabor für Mykobakterien in Borstel zusammen.

Ein weiteres Projekt für ihre Patienten sind „Skin Camps“. Hier werden Menschen mit Hautproblemen zu kostenfreien Untersuchungen eingeladen und zwar in den Gebieten, in denen es früher viele Leprafälle gab. 25-30% der Patienten in der Basisgesundheitsversorgung kommen wegen Haut-problemen. Durch diese Skin Camps soll die Früherkennung der Lepra gestärkt werden, um den der Infektion folgenden Nervenschäden vorzubeugen. Dieses Angebot wird in den Dörfern begeistert aufgenommen. Die weiblichen Patienten können von ausgebildetem weiblichen Personal untersucht werden, und wenn die neuen Patienten einverstanden sind, werden zudem ihre Familie und Nachbarschaft auf Lepra untersucht. Dieses Projekt hat dazu beigetragen, dass viele Leprafälle im ganz frühen Stadium gefunden wurden und hat außerdem das Lepraprogramm weitreichend bekannt gemacht. Selbstverständlich erhalten die Patientinnen und Patienten alle weitere benötigte Hilfe.

Vor drei Jahren, am 8. Oktober 2005, hat ein schreckliches Erdbeben die Stadt Balakot dem Erdboden gleich gemacht. Auch das Leprakrankenhaus von Dr. Chris Schmotzer wurde komplett zerstört. Am Morgen nach dem Beben waren sie und ihr Team als erste Mediziner in der Stadt im Einsatz. Zwischen all den Toten konnten sie Verletzten Erste Hilfe bieten und Schwerverletzte von der Armee ausfliegen lassen. Nach der Akuthilfe konnte sie im Winter 2005/2006 ca. 70.000 Menschen mit Lebensnotwendigem versorgen. Seit dem Frühjahr 2006 hat sie mit ihrem Team den Bau von rund 250 erdbebensicheren Häusern für Leprapatienten, Witwen und Waisen veranlasst. Das Wiederaufbauprogramm wurde Anfang 2009 abgeschlossen.

Neben ihrem großen Einsatz in Pakistan ist Dr. Schmotzer Mitglied des Ärzte- und Zahnärztekollegiums Baden-Württemberg, der Pakistanischen Ärzte- und Zahnärztekammer in Islamabad, der internationalen Lepravereinigung sowie der internationalen Vereinigung gegen Tuberkulose und Lungenkrankheiten. Seit 2009 ist sie Mitglied des technischen Beratungskomitees der WHO für Leprafragen.

Die Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe unterstützt die Arbeit von Dr. Chris Schmotzer. www.dahw.de


Stand: April 2010

 
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