Sarajevo - Bericht einer Kurzexpedition

In der Zeit von Samstagabend bis Dienstagmittag haben wir viel gesehen und viele Eindrücke bekommen von einer Stadt, die ganz unterschiedlichen kulturellen Einflüssen ausgesetzt war. Bosnier, Kroaten, Serben und Roma leben hier. Katholiken, Orthodoxe, Muslime und Juden treffen aufeinander.

Es gibt Minarette wie bei uns Kirchtürme und eine faszinierende Mischung aus türkischen, österreichisch-ungarischen und kommunistischen Baustilen.
Auch in der Küche haben sich die verschiedenen Einflüsse niedergeschlagen. Wir schwelgten in Cevapi, Pita, frischem Spanferkel (auch für unsere Freunde eher eine Ausnahme), Bakhlava, türkischem Kaffee, Pivo (Bier) und manch anderen Leckereien. Es war erstaunlich bis beschämend zu sehen, wie viel unsere Partner auf die Beine stellen im Vergleich zur Größe ihrer Gemeinde:
wöchentliche ärztliche Sprechstunden in der Gemeinde (kostenlos), monatliche Unterstützung für Bedürftige für jeweils ein Jahr, Verteilung von Kleiderspenden, Treffen für Frauen, Freizeiten, Konzerte, Puppentheater zu Weihnachten, Verteilung von bis zu 1000 Päckchen „Weihnachten im Schuhkarton“, Straßenaktionen, um nur einiges zu nennen.
Im Gottesdienst treffen sich 35-40 Personen – es wirkte fast wie ein Wohnzimmergottesdienst. Es war zu spüren, dass den Gemeindeleuten daran liegt, Jesus mit den Menschen in Sarajevo zusammenzubringen.
Und das in einem Umfeld, in dem 90% der Bevölkerung muslimisch ist.

In vielen Gesprächen wird deutlich, dass der letzte Krieg erst seit 17 Jahren beendet ist. Drei Jahre Belagerung und Beschuß haben ihre Spuren hinterlassen. „Vor dem Krieg“ und „nach dem Krieg“ meint hier nicht den 2. Weltkrieg. Für uns fast überall sichtbar: Einschusslöcher an den wieder oder nach wie vor bewohnten Häusern, wieder aufgebaute Häuser, Kriegsruinen. Wir besichtigen den „Tunnel of Hope“, einen Fluchttunnel quer unter dem
Flugplatz. Die unsichtbaren Wunden an den Seelen und in den Herzen der Menschen können wir nur erahnen.
Die wichtigsten touristischen Attraktionen haben wir sicherlich gesehen. Und wir haben alle aus einem besonderen Brunnen getrunken, von dem es heißt: wer davon trinkt, kehrt wieder nach Sarajevo zurück. Ich war traurig, dort wieder aufbrechen zu müssen.
Aber es ist gut zu wissen, dass unser Herr dort derselbe ist wie hier und wir durch Ihn verbunden sind – egal ob Deutsch, Bosnisch, Serbisch, Kroatisch...
Danke Slavko, Ivan, Sascha, Sanya, Maya, Vanessa, Cat... für Eure (Gast-) Freundschaft, alle Begegnungen, die ihr uns ermöglicht habt und die Witze, die uns den Abschied leichter gemacht haben.


Volker, André, Petra, Melanie, Jörg, Simon